GALERIE capturesix

«Ruhe»

von Dmitriy Resnyanskiy


Juryliebling von Lars Willumeit im Monat Mai

« Das Thema "capture humans" enthält sowohl einen Hinweis auf eine der technischen Grundfunktionen der Fotografie, das Festhalten oder auch das einfangen. Es enthält aber auch eines der Ur-Themen der Künste an sich, nämlich den Menschen abzubilden.
Dieser Prozess des Festhaltens, Einfangens oder auch Gefangennehmens funktioniert bei Fotografien welche mich persönlich packen oft dann am besten, wenn ich den Eindruck bekomme dass dieser Prozess in beide Richtungen stattfindet. Damit meine ich das nicht nur die Fotografin aktiv ist, den richtigen Moment abwartet und das Bild bewusst gestaltet, sondern das auch die Person welche gebannt und abgebildet wird eine aktive Rolle einnimmt.
Die Beziehung zwischen Fotografin und Subjekt ist eine wichtige und sich bewusst über diese Gedanken zu machen ist ein zentrales Thema ethisch und ästhetisch. Die Geschichte des Fotografierens ist voll von ikonischen Bildern welche auf nicht ethische Weise entstanden und so gestohlen wurde, so zum Beispiel in der Kolonialzeit.

Das Bild mit dem Titel "Ruhe", welches ich für diesen Monat ausgesucht habe, verkörpert für mich sowohl gestalterische Bewusstheit aber auch eine Ethik, welche für mich das Subjekt des alten Mannes nicht entmündigt oder instrumentalisiert. Das Bild ist aus handwerklicher Sicht technisch nicht perfekt und doch ist es genau dieser Aspekt den es für mich so anziehend macht. Die leichte Unschärfe, zusammen mit der Entscheidung für eine Schwarz/Weiss-Umsetzung sorgen für eine Reduktion und Fokussierung der Aufmerksamkeit bei mir.

Mein Blick als Betrachter - also der dritten menschlichen Komponente im Dreieck von Fotografin, Subjekt und Betrachter - verweilt gerne auf dem Bild und immer wieder tun sich neue Deutungen für mich auf. Diese visuellen Erzählungen sind assoziativ und basieren auf Erinnerungsschnipseln aus der eigenen Geschichte, sowie aus dem gigantischen Bildarchiv des "Bereitsgesehenen" eines 43-jährigen Zeitgenossen. Die Fotografie fängt in unaufgeregter Weise etwas essentielles der Menschlichen Existenz ein ohne die Geste eines Schmetterlingsliebhabers des seine Subjekte am Ende aufspiesst um diese anderen zu zeigen. »

- Lars Willumeit