GALERIE capturesix

«In ständiger Bewegung.»

von tom kohler


Juryliebling von Dominik Golob im Monat Mai

« Das Bild zwingt uns mehrfach hinzuschauen, bevor wir es vollständig erfassen können – das macht es interessant und besonders. Sehen wir einen Schatten von einem Velo, sehen wir zwei Velos? Nach und nach erkennen wir mehr. Erkennen eine kleine Geschichte, einen Handlungsverlauf. Doch nicht alles bewegt sich weiter. Einige Objekte bleiben starr, ruhen sich aus... Der Blick kann auf verschiedenen Ebenen im Bild fokussiert werden. Das fordert heraus und macht das Bild zu einer Fotografie, die man nicht schnell leid wird, zu einer Szene in die wir uns vertiefen und eintauchen können. Es wird zu einem Tag am See. Der Betrachter wird Teil des Bildes, sein Blick gerät in Bewegung. Wir flanieren und wir beobachten. Genau wie der Fotograf, der uns durch seinen Fuss vorn im Bild, als Vordergrund, in das Bild begleitet...

Die Mehrfachbelichtung bzw. Montage von drei Belichtungen vom gleichen Standpunkt aus verleiht dem Bild viel Tiefe. In mehreren Ebenen spielt sich Bewegung ab. Das unterwegs sein des Menschen wird zum Thema, aber auch die Besonderheit des fotografischen Moments wird erfasst. Die gleiche Perspektive, der gleiche Tag und Sonnenstand – nur ein paar kurze Augenblicke liegen zwischen den Belichtungen und doch passieren andere Dinge vor der Kamera. Die Überschnitte der Objekte sind gut gewählt, so dass spannende, neue Bilder erzeugt werden. Die Konvertierung ins Schwarz-Weiss ist gelungen, wenn gleich die Multiplikation der verschiedenen Belichtungen an einigen Stellen noch feiner hätte in den Schatten ausgearbeitet werden können.

Im Gegensatz zu vielen anderen Einsendungen sind hier tatsächlich „MenschEN" zu sehen, also der Plural findet sich in der Abbildung mehreren Personen auch wieder. Das Bild versucht nicht durch die Abbildung exotischer Orte oder Ethnien „besonders" zu sein und aufzufallen, sondern es überzeugt durch gute Fotografie indem Perspektive, Schärfe und Kamerastandpunkt interessant gewählt wurde. Die Kamera ist gerade ausgerichtet (Laterne), der Horizont ist jedoch nicht ganz gerade und könnte in der Nachbearbeitung noch perfekt begradigt werden, so dass das Bild als Gegenpol zur gezeigten Bewegung, grafisch noch mehr Ruhe bekommt. »

- Dominik Golob