GALERIE capturesix

«standing still for a moment»

von Jolanda Pfrunder


Publikumsliebling im Monat Oktober


Juryliebling von Lars Willumeit im Monat Oktober

« Im finalen Challenge geht es darum den Moment festzuhalten, also: capture the moment. Das Bild mit dem Titel «Standing still for a moment» tut dies nicht etwa durch eine aufwändige Lichtsetzung oder durch Postproduktionseffekte, sondern durch einen sehr konventionellen und doch extrem effektiven Trick. Benutzt wurde eine lange Belichtungszeit, dies in einem Umfeld mit sehr vielen bewegten Elementen - einem der frequentiertesten Zebrastreifen Tokios mitten in Stadtteil Shibuya. Der Einfrier-Effekt wird einfach durch das Stillstehen der zentralen Person im Bildausschnitt. Das Bild reflektiert so auch symbolisch das Verhältnis von Individuum und Masse in einem vollglobalisierten „Starbucks“-Japan.

Aber das QFRONT Building welches das zentrale architektonische Element im Bild ist, behaust neben einer Starbucks Filiale auch das Kaufhaus Tsutaya, einen der grössten japanischen Läden für eine andere Kulturtechnik neben der Fotografie welche ebenfalls Momente festzuhalten vermag, in diesem Falle Töne auf Tonträgern wie die CD. Ein weiterer interessanter Aspekt welcher das Bild vielschichtig und effektiv macht ist das grosse Werbeplakat im Hintergrund. Es zeigt das Foto eines Tänzers der in einer Sprungbewegung eingefroren zu sein scheint und es für mich beginnt mit der jungen Frau im Bildvordergrund und den verwischten Passanten im Mittelgrund zu spielen. »

- Lars Willumeit

Juryliebling von Nadine Wietlisbach im Monat Oktober

« Mich interessiert das Bild «standing still for a moment» am meisten. Ich war bisher noch nie in Japan oder China, mich interessieren wie Mega-Cities funktionieren, wie man sich darin bewegt. Die im Bild still stehende Person scheint für den/die Fotograf_in posieren, der Ort scheint ungeeignet, die Person wirkt ins Bild hinein collagiert. Einer der wichtigsten Fotografen aus der Schweiz, die weit gereist sind und sich in vielen Städten teilweise länger aufgehalten hat, ist Beat Streuli (*1957). Sein zentrales Motiv ist der Mensch im öffentlichen Raum einer Großstadt. Seine Fotos oder Videos stellen städtische, meist junge Individuen dar, die er, einem Schnappschuss gleich, aus einer Menge von Passanten «herausfotografiert». Im Gegensatz zu dieser capturesix-Eingabe konzentriert sich Streuli jedoch auf den Oberkörper oder das Gesicht, dabei betont der Schärfeabfall die Umgebung. Neben der scharf abgebildeten Frau befindet sich links ein Paar, sie trägt einen Jeansanzug und eine Schiebermütze, er ein rosa T-Shirt: Diese beiden könnten ebenso zur Bildkomposition dazu gehören – sie wirken wie ein zweites, leicht verschobenes Hauptmotiv. »

- Nadine Wietlisbach